Der globale Energiesektor befindet sich 2025 an einem Wendepunkt, der sowohl durch einen Rekordverbrauch an fossilen Brennstoffen als auch durch ein Rekordwachstum bei sauberen Energien gekennzeichnet ist.
Der weltweite Gesamtenergiebedarf steigt weiter an, vor allem aufgrund der Schwellenländer, und alle wichtigen Energiequellen – von Kohle und Öl bis hin zu erneuerbaren Energien – erreichen 2024 ein hohes Verbrauchsniveau. Die Welt befindet sich weiterhin im Modus der „Energiezufuhr” und nicht in einer reinen Übergangsphase; neue erneuerbare Energien decken den zusätzlichen Bedarf, haben fossile Brennstoffe jedoch noch nicht wesentlich verdrängt.
Nordamerika hat sich wieder zu einem wichtigen Öl- und Gaslieferanten entwickelt: Die USA sind der weltweit größte Öl- und Gasproduzent und LNG-Exporteur. Seit 2023 sind sie aufgrund politischer Anreize auch zu einem wichtigen Standort für die Solarindustrie, Gigafabriken für Elektrofahrzeuge und die Entwicklung von Windparks geworden. Dennoch könnten die jüngsten Maßnahmen der Trump-Regierung den Ausbau erneuerbarer Energien zum Stillstand bringen. Europa treibt, angetrieben von Klimazielen und der Dringlichkeit, russisches Gas zu ersetzen, den Ausbau erneuerbarer Energien voran. Asien, angeführt von China und Indien, ist der größte Wachstumsmotor für die Energienachfrage.
Insbesondere China macht fast die Hälfte des weltweiten Energiebedarfswachstums aus und investiert massiv sowohl in fossile als auch in erneuerbare Energien. Das Land installiert erneuerbare Energien in weltweit führendem Tempo (China ist auf dem besten Weg, allein im Jahr 2025 weit über 100 GW an Solar-PV hinzuzufügen), verbraucht aber auch die Hälfte der weltweiten Kohle und baut die Nutzung von Gas aus. Indien und Südostasien bauen ebenfalls Solar- und Windenergie aus, aber die Nutzung von Kohle und Öl steigt weiterhin, um ihre wachsenden Volkswirtschaften anzutreiben. Im Nahen Osten profitieren die ölreichen Staaten von hohen Öleinnahmen.
In finanzieller Hinsicht bleibt die Kluft zwischen der Öl- und Gasindustrie und dem Sektor der erneuerbaren Energien ausgeprägt. Öl- und Gasunternehmen haben in den letzten Jahren einen Boom erlebt: 2022 wurden aufgrund der sehr hohen Öl- und Gaspreise außergewöhnliche Gewinne erzielt, und obwohl sich die Preise 2023–2024 moderierten (Brent-Rohöl schwankte im Bereich von 70–90 USD/bbl), konnten die Unternehmen gesunde Gewinne und Ausschüttungen an die Aktionäre aufrechterhalten. Im Gegensatz dazu sahen sich viele Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien mit geringeren Margen und einer strengeren Kontrolle durch Investoren konfrontiert.