Deutsche Insolvenzen steigen 2026 um 8 % auf höchsten Stand seit 2013 und bleiben 2027 unvermindert hoch

  • Globale Insolvenzen steigen 2026 um 5 % und 2027 um weitere 1 %
  • In Deutschland steigen Unternehmensinsolvenzen 2026 mit 8 % stärker als zuvor erwartet und bleiben auch 2027 auf dem höchsten Stand seit 2013 (+0 %) mit 25.900 Fällen
  • Erst 2028 zeichnet sich eine Trendwende an mit einem erwarteten Rückgang von 1 % weltweit und 5 % in Deutschland
  • Weltweit sind in den Jahren 2026 und 2027 rund 2,7 Mio. Arbeitsplätze direkt gefährdet 
  • Einsatz von KI kann Unternehmensinsolvenzen in kleineren und weniger diversifizierten Märkten durch entstehendes Wettbewerbsgefälle beschleunigen

Hamburg, 27. Oktober 2026 – Anhaltende Konjunkturschwäche, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Belastungen setzen Unternehmen weiter unter Druck. In der Folge steigen die Unternehmensinsolvenzen. Der weltweit führende Kreditversicherer Allianz Trade geht in seiner aktuellen globalen Insolvenzstudie weltweit von einem Zuwachs um 5 % im Jahr 2026 und um weitere 1% im Jahr 2027 aus (nach +6 % im Jahr 2025). Das wäre der fünfte Anstieg in Folge. Angesichts des herausfordernden Umfelds verschiebt sich der Höhepunkt der globalen Insolvenzen um ein Jahr auf 2028. Dann werden die Fallzahlen von ihrem sehr hohen Niveau um 1 % leicht zurückgehen.

Deutsche Insolvenzen steigen stärker als zuvor erwartet und bleiben 2027 unverändert hoch
Auch in Deutschland steigen Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 stärker als zuvor erwartet. Allianz Trade geht von einem Plus von 8 % aus. Im Frühjahr waren die Erwartungen mit einer Zunahme von 2 % beziehungsweise bei einem anhaltenden Nahostkonflikt um 4 % noch deutlich optimistischer.

„Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland dürften 2026 deutlich steigen auf 25.900 Fälle. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Besonders betroffen sind Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie.“

Trotz des erneuten Anstiegs liegen die Fallzahlen weiterhin deutlich unter den Höchstwerten der globalen Finanzkrise, allerdings deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie. Der anhaltende Anstieg verdeutlicht die  unverändert fragile wirtschaftliche Lage der deutschen Wirtschaft.

„Für 2027 ist erst einmal keine Entspannung in Sicht“. Sagt Bogaerts. „Der nach wie vor schwelende Nahostkonflikt ist nur ein Treiber hinter dieser Entwicklung. Hinzu kommt ein ungünstiger Mix aus anhaltender Konjunkturflaute und strukturellen Belastungen wie Fachkräftemangel und hohen Betriebskosten. Insofern dürften Insolvenzen auch 2027 auf unvermindert hohem Niveau bleiben. Erst 2028 zeichnet sich eine Trendwende ab.“

Für 2027 erwartet Allianz Trade eine Stabilisierung des Insolvenzgeschehens (0%) bei unverändert hohen Fallzahlen. Diese liegen nach einem Anstieg von insgesamt 85 % seit 2021 weiterhin 30 % oberhalb des Niveaus von vor der Pandemie. Erst 2028 dürfte eine spürbare Entspannung einsetzen. Dann könnten nachlassende konjunkturelle Belastungen und die zunehmende Wirkung fiskalischer Impulse zu einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 5 % führen auf dann 24.600 Fälle.

Auch mit Hinblick auf die globale Entwicklung ist weiterhin Vorsicht geboten, denn für deutsche Unternehmen birgt neben der nationalen auch die weltweite Insolvenzentwicklung erhebliche Geschäftsrisiken entlang internationaler Liefer- und Absatzketten.

„Die Insolvenzentwicklung endet nicht an Landesgrenzen“, sagt Bogaerts „Deutschland ist als exportorientierte Volkswirtschaft besonders anfällig für steigende Insolvenzen im Ausland. Und in den wichtigsten deutschen Exportmärkten steigen die Insolvenzen aktuell besonders stark an .“

Unterdurchschnittliches BIP-Wachstum, hohe Energiekosten und längerfristig höhere Zinssätze
Mehrere strukturelle Faktoren erklären die anhaltende globale Entwicklung. Angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten wird erwartet, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zum Zeitraum 2023-2025 hinter den Erwartungen zurückbleibt. Auch die Energiekosten bleiben hoch und Regierungen können nur begrenzte fiskalische Unterstützung leisten. Parallel dazu wird die Geldpolitik straffer: Insbesondere länger anhaltend höhere Zinssätze setzen die am stärksten gefährdeten Unternehmen weiter unter Druck. Gleichzeitig nahm durch zahlreiche Neugründungen der Bestand an aktiven Unternehmen zwischen 2021 und 2025 um rund 10 % zu. Dies vergrößert den Kreis der von einem Scheitern bedrohten Unternehmen, da viele dieser jungen Marktteilnehmer finanziell anfällig sind: Weniger als die Hälfte der neuen Unternehmen in Europa überlebt länger als fünf Jahre.

„Angesichts zahlreicher Schocks, die sich seit Jahresbeginn summieren, verstärken deutlich höher als erwartete Zinssätze den Druck auf ohnehin schon anfällige Unternehmen, und dieser Trend wird anhalten: 60 % der Länder werden 2027 höhere Leitzinsen beibehalten als in den vorangegangenen 12 bis 24 Monaten. Das treibt die Finanzierungskosten in die Höhe und schmälert die Margen. In Westeuropa würde ein Anstieg der Bankkreditzinsen um +100 Basispunkte zu zusätzlichen Zinsaufwendungen zwischen 6 und 10 Mrd. Euro führen, was die Margen insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Telekommunikation und Strom verringern würde. Gleichzeitig werden längerfristig höhere Energiekosten den Druck auf die Rentabilität verstärken, insbesondere für energieintensive europäische Branchen“, sagt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade.

Immer mehr Arbeitsplätze in Gefahr – neuer Höchststand in Europa und Nordamerika
Nach Allianz Trade Analysen sind in den Jahren 2026 und 2027 rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze weltweit direkt gefährdet. Dies entspricht einem Anstieg um 180.000 im Vergleich zu 2025 und um 700.000 im Vergleich zu 2023, dem ersten Jahr des Aufschwungs bei den weltweiten Insolvenzen nach der Corona-Pandemie.

„Insgesamt sind das Baugewerbe, der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor am stärksten betroffen. Auf Europa entfallen fast 60 % der gefährdeten Arbeitsplätze (1,6 Millionen), wobei Frankreich (268.000), Deutschland (239.000) und das Vereinigte Königreich (213.000) an der Spitze stehen. Es folgt Nordamerika mit einem Anteil von 24 % an den insgesamt betroffenen Arbeitsplätzen (650.000). Für beide Regionen wäre dies ein 13-Jahres-Hoch. In Asien sind die Auswirkungen zwar real, aber moderater, da auf die Region nur 11 % der gefährdeten Arbeitsplätze (305.000) entfallen“, sagt Maxime Lemerle, leitender Analyst für Insolvenzforschung bei Allianz Trade. 

Führt KI bereits zu einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen?
Allianz Trade führte eine Analyse in acht EU-Volkswirtschaften  und neun Branchen  durch, um die Hauptursachen für Unternehmensinsolvenzen zu ermitteln. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass makroökonomische Bedingungen und branchenspezifische Fundamentaldaten nach wie vor die dominierenden Determinanten sind, während die Einführung von KI noch nicht mit Insolvenztrends korreliert. Allerdings haben die kleineren und weniger diversifizierten Märkten eine Ausnahme festgestellt.

„Unsere Untersuchung legt nahe, dass der Einsatz von KI in kleineren und weniger diversifizierten Märkten Unternehmensinsolvenzen beschleunigen kann, da dadurch ein Wettbewerbsgefälle zwischen Early Adopters und Nachzüglern entsteht. Belgien und Schweden weisen in unserer Stichprobe die höchste KI-Einführungsrate auf (35 %). Dort beobachten wir, dass die am stärksten digitalisierten Branchen auch diejenigen sind, die die höchsten Insolvenzzahlen verzeichnen. Das gleiche Muster zeigt sich aus Branchenperspektive: Der Sektor ‚Information und Kommunikation‘, der in unserer Stichprobe am stärksten KI-intensiv ist (70 % Einführungsrate), weist in fünf der acht untersuchten Länder höhere Insolvenzzahlen als der nationale Durchschnitt auf“, sagt Lemerle

Die vollständige Studie (ENG, pdf) finden Sie beigefügt und hier:  https://www.allianz-trade.de/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_de/dokumente/2026-10-global-insolvencies-outlook-allianz-trade.pdf

Über Allianz Trade

Allianz Trade Trade ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und anerkannter Spezialist für Bürgschaften und Garantien, Inkasso sowie Schutz gegen Betrug oder politische Risiken. Allianz Trade verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an, um sie im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen. 

Über das unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und analysiert die Allianz Trade Gruppe täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als 83 Millionen kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen und hat sofortigen Zugriff auf die Daten von 289 Mio. Unternehmen in mehr als 160 Ländern. Insgesamt umfassen die Expertenanalysen Märkte, auf die 92% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen. 

Mit dieser Expertise macht die Allianz Trade Gruppe den Welthandel sicherer und gibt den weltweit über 75.000 Kunden das notwendige Vertrauen in ihre Geschäfte und deren Bezahlung. Als Tochtergesellschaft der Allianz und mit einem AA-Rating von Standard & Poor’s ist die Holding von Allianz Trade mit Sitz in Paris im Schadensfall der finanzstarke Partner an der Seite seiner Kunden.

Das Unternehmen ist in über 40 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 5.900 Mitarbeiter weltweit. 2025 erwirtschaftete die Allianz Trade Gruppe einen konsolidierten Umsatz von EUR 4 Milliarden und versicherte weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 1.400 Milliarden.

 

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