• 30% der Hamburger Ausfuhren gehen nach Frankreich – Nachbarland kämpft mit unterdurchschnittlichem Wachstum und Insolvenzen auf Rekordhoch
  • Hamburger Hafen: China wichtigster Handelspartner, Abhängigkeit und Risiken steigen – bislang jedoch keine rückläufigen Ausfuhren, sondern Verschiebung der Exportgüter
  • Wichtigste Sparten für Hamburger Wirtschaft: Chemieausfuhren nach Flugzeugindustrie auf Rang 2, zusätzliche Exportgewinne in Sicht für 2015/2016; neben steigenden Risiken in China vor allem Erholung der europäischen Märkte entscheidend

Hamburg, 23. März 2015 – Die Hamburger Wirtschaft ist traditionell stark von der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa abhängig. 65% aller Ausfuhren gehen in europäische Nachbarländer. Frankreich hat daran mit rund 30% der Hamburger Exporte den Löwenanteil – und kämpft weiterhin mit einem unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum. Der weltweit führende Kreditversicherer Euler Hermes prognostiziert gerade einmal ein Plus von 0,9% beim französischen Bruttoinlandprodukts (BIP) nach drei Jahren der Stagnation. Die Zahlungsmoral verschlechtert sich, Schuldner französischer Unternehmen müssen 2015 nach Schätzungen von Euler Hermes weitere zwei Tage länger auf ihr Geld warten – dabei sind es mit 81 Tagen bereits heute durchschnittlich 10 Tage mehr als in der Bundesrepublik1. Auch Insolvenzen bleiben in Frankreich auf einem Rekordhoch von mehr als 60.000 Fällen.


Die Abhängigkeit von China steigt für die Hamburger Exportwirtschaft ebenfalls an, insbesondere durch den Hamburger Hafen. Die Wirtschaft im Reich der Mitte verzeichnet laut Prognosen von Euler Hermes im Jahr 2015 zwar ein Wachstum von gut 7%, dies ist jedoch der geringste Zuwachs seit 25 Jahren.


Risse in der chinesischen Mauer: Nichtzahlungen und Insolvenzen steigen an
„Es zeigen sich erste Risse in der chinesischen Mauer“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes in Hamburg. „Die Zahlungsziele in China sind überdurchschnittlich lang und die Nichtzahlungen haben sich in 2014 verdoppelt, insbesondere getrieben durch eine drastisch gestiegene Anzahl an Ausfällen in der Lebensmittelindustrie, der Chemie- und Elektroniksparte. Das sind im Teufelskreis der Zahlungsausfälle Vorboten für steigendende Insolvenzzahlen. Bei den Insolvenzen in China erwarten wir 2015 einen Anstieg von 5%. Gleichzeitig ist China für deutsche Exporteure jedoch ein Muss, wenn sie nachhaltiges Wachstum erzielen wollen. Zu Hause bleiben ist also keine Option – sie sollten ihren Markt und die dortigen Gepflogenheiten allerdings gut kennen und sich absichern.“


Hamburger Hafen: Abhängigkeit von China steigt – Exportgüter verschieben sich
Für die Wirtschaft der Freien und Hansestadt liegt China auf Rang drei, für den Hamburger Hafen ist China jedoch noch vor Russland der wichtigste Handelspartner. Knapp ein Drittel aller Container entfallen auf den Handel mit dem Reich der Mitte. 2014 ist der Containerumschlag mit China zudem um fast 10% gestiegen. Die weitere Entwicklung in China hat somit immer stärkere Auswirkungen auf den Hamburger Umschlagplatz.

„Trotz der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China konnten wir bislang weder einen entsprechenden Rückgang der deutschen Exporte noch ein Einbrechen des Hamburger Containerhandels beobachten“, sagte Krings. „Vielmehr haben wir zuletzt eher eine Verschiebung bei den Handelsgütern gesehen. Die deutschen Ausfuhren von Verbrauchsgütern nach China haben angezogen. Hauptgrund sind der zunehmende Wohlstand und die steigende Kaufkraft der chinesischen Verbraucher in den großen chinesischen Ballungsräumen. Des einen Freud ist des anderen Leid: Exporteure von Ausrüstungsgütern könnten im Gegenzug Gefahr laufen, die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft zu spüren zu bekommen.


USA: Hamburger Hafen profitiert zunehmend von Handel und Wirtschaftswachstum in Übersee
Die größten Wachstumssprünge verzeichnet der Hamburger Hafen allerdings im Handel mit den Übersee-Destinationen. Seit 2009 stiegen die Ausfuhren in die USA um 66% an – ein Trend, der sich nach Ansicht der Euler Hermes Ökonomen fortsetzen wird, da in Europa nur eine langsame Erholung der Wirtschaft einsetzt. Vom transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP könnte der Hafen der Hansestadt deshalb besonders profitieren.


Hamburger Chemieunternehmen sollten auf Erholung der europäischen Märkte achten
Die Chemiebranche ist nach der Flugzeugsparte der zweitgrößte Exportsektor für die Wirtschaft der Freien und Hansestadt. 7% aller Hamburger Exporte entfallen auf chemische Produkte. In diesem Sektor haben sich Zahlungsausfälle 2014 in China – also bei den potenziellen chinesischen Abnehmern – etwas mehr als verdreifacht. Noch wesentlich stärker als von China ist die Chemiebranche jedoch von den europäischen Nachbarländern abhängig: 66% aller Hamburger Chemieausfuhren sind für Europa bestimmt.


„Exporteure sollten deshalb insbesondere auf die Entwicklung der sehr langsamen Erholung in Europa achten“, sagte Krings. „Insgesamt sehen wir aber nicht nur Risiken, sondern auch große Chancen für die deutschen und damit auch Hamburger Chemieunternehmen: Wir schätzen das Potenzial für zusätzliche Chemieausfuhren deutscher Unternehmen in den kommenden zwei Jahren auf rund 19 Milliarden Euro, das ist nach dem Maschinenbau mit knapp 23 Milliarden Euro der zweithöchste Anstieg in Deutschland.2


Deutschland: Bronzemedaille verteidigt, aber Exportwachstum verlangsamt sich
Hinter den USA und China verteidigt Deutschland mit Ausfuhren in Höhe von 1.134 Mrd. Euro im vergangenen Jahr weiterhin die Bronzemedaille unter den weltweit größten Exportnationen. Euler Hermes erwartet für die deutschen Exportunternehmen zusätzliche Ausfuhren von 36 Milliarden Euro im laufenden Jahr – das bedeutet ein Wachstum von 2,7%. Damit wächst der deutsche Export langsamer als noch im vergangenen Jahr. 2014 standen noch zusätzliche Ausfuhren von 45 Milliarden Euro und damit ein Wachstum von 3,6% im Vergleich zu 2013 zu Buche. Grund für den Rückgang sind vor allem sinkende Verkaufspreise und ein stärkerer Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Zudem bergen die geopolitischen Krisenherde und die eher schleppende Nachfrage in Europa Risiken.



1 In Deutschland lag die die Frist zwischen Rechnungsstellung und Bezahlung der Ware (sogenannte „Days of sales outstanding“, DSO) bei börsennotierten Unternehmen 2014 bei 71 Tagen; in Frankreich bei 81 Tagen. Euler Hermes geht 2015 in Frankreich von einem Anstieg um zwei Tage auf 83 Tage aus.


2 Die bundesweiten Chemieexporte beliefen sich 2014 auf rund 107 Milliarden Euro. Damit lag die Chemiebranche bei den deutschen Exporten im vergangenen Jahr auf Rang drei hinter Fahrzeugen und Fahrzeugteilen mit rund 203 Mrd. Euro und Maschinen mit rund 165 Mrd. Euro. Euler Hermes prognostiziert für 2015-2016 zusätzliche Exporte von Chemieerzeugnissen von 19 Mrd. Euro. Bei den Hamburger Exporten liegt der Flugzeugbau auf Rang 1 vor der Chemiebranche.



Pressekontakt:

Euler Hermes Deutschland, (Hamburg)
Antje Stephan
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0)40 8834-1033
Mobil: +49 (0)160 899 2772