- Globaler KI-Boom verschiebt Macht, Infrastruktur, Wertschöpfung und Warenströme
- Wettlauf mit Hindernissen: Europa und Deutschland drohen den Anschluss zu verlieren
- Lieferketten werden zum geopolitischen Risiko; digitale Infrastruktur zu einem strategischen Machtinstrument
Hamburg, 22. Mai 2026 – Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant zu einem neuen Machtfaktor im Welthandel. Eine aktuelle Analyse des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade zeigt: KI verändert nicht nur Technologien, sondern ganze Lieferketten, Handelsströme und geopolitische Abhängigkeiten. Besonders Europa droht dabei zwischen den globalen Technologieblöcken an Einfluss zu verlieren.
Der weltweite Handel mit KI-relevanten Gütern hat sich laut Studie innerhalb von zehn Jahren von rund 1 Billion US-Dollar (USD) auf USD 3,8 Billionen nahezu vervierfacht. Mittlerweile entfallen bereits rund 15 % des globalen Warenhandels auf KI-nahe Produkte und Infrastruktur. Asien kontrolliert dabei große Teile der Wertschöpfung – von Halbleitern über Speichertechnologien bis hin zu Rechenzentrums-Hardware.
„Der globale KI-Wettlauf ist auch ein Wettlauf um Infrastruktur, Daten und wirtschaftlichen Einfluss“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wer die Chips, Rechenzentren und Plattformen kontrolliert, kontrolliert künftig auch wesentliche Teile der globalen Wertschöpfung – und beeinflusst damit maßgeblich den Welthandel und Warenströme.“
Im Hintertreffen: Europa und Deutschland drohen, den Anschluss zu verlieren
Besonders kritisch sieht die Studie Europas Position im internationalen KI-Wettbewerb. Während die USA Milliarden in Cloud-Infrastruktur, Rechenleistung und digitale Plattformen investieren, bleibt Europa deutlich zurück. Die operative Rechenzentrums-Kapazität Europas liegt laut Analyse rund viermal unterhalb jener der USA.
Gleichzeitig wächst Europas Abhängigkeit von amerikanischen Technologieanbietern. Bereits heute dominieren US-Hyperscaler große Teile der europäischen Cloud- und IT-Dienstleistungen halten rund 40 % der Dateninfrastruktur. Mit zunehmender Nutzung von KI-Services könnten künftig jährlich Milliardenbeträge aus Europa an US-Anbieter abfließen.
„Europa und auch Deutschland laufen aktuell Gefahr, vom Industriestandort zum digitalen Mieter zu werden“, sagt Bogaerts. „US-amerikanische IT-Unternehmen erzielen rund 70 % der europäischen Umsätze, während deutsche Unternehmen wenig von dem Boom spüren und das Wachstum hierzulande deutlich hinterherhinkt. Deutsche Unternehmen sind in den wachstummstärksten Bereichen wie KI aktuell noch wenig präsent. Aber: Viele deutsche Anbieter befinden sich derzeit noch in einer frühen Phase KI wirtschaftlich erfolgreich zu monetarisieren. Da ist noch Luft nach oben und viel Potenzial neue Anwendungsfälle für bestehende Produkte zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben.“
Lieferketten werden zum geopolitischen Risiko
Die Allianz Trade Studie zeigt zudem, wie stark die globale KI-Wertschöpfung auf wenige Regionen konzentriert ist. Taiwan, Südkorea, China und die USA spielen Schlüsselrollen bei Halbleitern, Hochleistungsspeichern und KI-Infrastruktur. Politische Spannungen oder Handelskonflikte könnten daher massive Auswirkungen auf Preise, Verfügbarkeit und Produktionsketten haben. Das zeigt sich auch beim Inflationsdruck auf Speicherchips, deren Preis sich in diesem Jahr aufgrund der Spannungen im Nahen Osten etwa verdreifacht hat.
Parallel dazu nimmt die staatliche Einflussnahme weltweit deutlich zu. Exportkontrollen, Technologie-Sanktionen und milliardenschwere Förderprogramme verschärfen den globalen Wettbewerb zusätzlich.
„Mittlerweile sind weltweit mehr als 3.600 industriepolitische Maßnahmen im Zusammenhang mit KI-Technologien in Kraft“, sagt Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade. „Das zeigt, welch große geopolitische Rolle das Thema in der Weltwirtschaft bereits spielt. Lieferketten werden regionaler, Technologie politischer und digitale Infrastruktur zu einem strategischen Machtinstrument.“
Welthandel vor tiefgreifendem Umbau
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich der globale Handel strukturell verändert. Effizienz allein verliert an Bedeutung, während zuverlässige Lieferanten, strategische Resilienz, technologische Souveränität und politische Stabilität zunehmend zu zentralen Standortfaktoren werden.
„Die Zeit rein effizienter Globalisierung geht zu Ende“, sagt Dejean. „Unternehmen brauchen heute nicht nur stabile Lieferketten, sondern auch eine zukunftsorientierte Risikostrategie und Technologiepolitik, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Die vollständige Studie finden Sie beigefügt und hier:
Die Pressemeldung und Studie zur deutschen IT-Branchen finden Sie hier: