Die pharmazeutische Industrie spielt eine wichtige Rolle für die globale Gesundheit, indem sie Medikamente zur Vorbeugung, Behandlung und Heilung von Krankheiten erforscht, entwickelt und produziert. Es handelt sich um einen hochinnovativen und kapitalintensiven Sektor, der von wissenschaftlichen Fortschritten, strengen Vorschriften und einer steigenden Nachfrage im Gesundheitswesen angetrieben wird – insbesondere in alternden und wachsenden Bevölkerungen.
Obwohl die Branche von einigen wenigen großen multinationalen Unternehmen dominiert wird, wird sie auch von aufstrebenden Biotech-Unternehmen und dynamischen F&E-Partnerschaften geprägt. Zu den wichtigsten Wachstumsbereichen zählen Onkologie, Immunologie und Stoffwechselstörungen, wobei Innovation und Zugang nach wie vor von zentraler Bedeutung für die langfristige Nachhaltigkeit sind. Was den Verbrauch angeht, sind die fünf größten Importeure von Arzneimitteln weltweit die USA, Deutschland, die Schweiz, Belgien und China.
In Bezug auf die Produktion sind und bleiben die USA und Europa mit Abstand führend in der Branche. Die amerikanischen Big Pharma erzielten 2024 einen Umsatz von 453 Mrd. USD, was 1,2-mal mehr als ihre europäischen Konkurrenten und 4,8-mal mehr als asiatische Unternehmen war.
Nachdem sie während der Pandemiekrise von 2020 bis 2022 ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hatten, expandierte die Geschäftstätigkeit in dieser Branche erheblich: Die 30 weltweit führenden Pharmaunternehmen erzielten 2022 einen Umsatz von 900 Mrd. USD, ein noch nie dagewesener Höchststand, der darauf zurückzuführen ist, dass die Labore in Rekordzeit neue Covid-19-Impfstoffe und entsprechende Behandlungen entwickelt hatten.
Nach dem Ende der Gesundheitskrise gingen die Umsätze im Jahr 2023 um -5,1 % gegenüber dem Vorjahr zurück, erholten sich dann aber im Jahr 2024 wieder (+6 % gegenüber dem Vorjahr), was vor allem auf den explosiven Erfolg neuer Medikamente zur Gewichtsreduktion, die starke Nachfrage in Schwellenländern und die Einführung mehrerer hochwertiger innovativer Therapien (insbesondere in der Onkologie) zurückzuführen war.
Für 2025 erwarten wir einen erneuten Umsatzsprung von rund +5,5 % gegenüber dem Vorjahr (980 Mrd. USD), mit Zuwächsen von +3 % bzw. +5 % in den USA und Europa und von +8,0 % gegenüber dem Vorjahr im asiatisch-pazifischen Raum. Diese Verbesserung dürfte erneut durch neue Medikamente unterstützt werden, die kürzlich auf den Markt gebracht wurden und auf bisher unbehandelte Krankheiten sowie die stetig wachsende Bevölkerung abzielen.
Kurzfristig sieht sich der Pharmasektor mit drei großen Risiken konfrontiert, die weltweit erhebliche Auswirkungen haben könnten: Erstens: Obwohl noch keine klare Ankündigung darüber vorliegt, wie und wann mögliche höhere Zölle für den Pharmasektor eingeführt werden könnten, könnten deren Auswirkungen enorm sein und insbesondere für Generikahersteller eine erhebliche Bedrohung darstellen. Das Gesundheitssystem in den USA ist hierfür besonders anfällig, da die USA weltweit die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente haben und zudem in hohem Maße von importierten Generika (insbesondere aus Indien und China) abhängig sind.
Jede Erhöhung der Zölle könnte die Bereitschaft der Lieferanten verringern, auf dem amerikanischen Markt zu konkurrieren, da Generikaunternehmen mit sehr geringen Margen konkurrieren. Zweitens verlangt die Regierung in einer Verordnung eine aggressive Senkung der Arzneimittelpreise um 30 % bis 80 %. Große US-amerikanische und europäische Unternehmen, die stark von US-Umsätzen abhängig sind, haben darauf mit erheblichen Investitionen (bislang über 230 Mrd. USD in diesem Jahr) in den Bau neuer Produktionsstätten im Inland reagiert, um ihre Verhandlungsposition zu stärken und potenziellen regulatorischen Anforderungen nachzukommen.
Schließlich ist die Branche dem anhaltenden Risiko von Patentabläufen ausgesetzt, wobei mehr als 350 Mrd. USD an Einnahmen durch die Konkurrenz von Generika gefährdet sind, da bis 2030 mehr als 130 Medikamente ihre Exklusivität verlieren werden. Diese Bedrohung ist für US-Unternehmen, die einen größeren Anteil ihres Umsatzes an Generika verlieren könnten, noch ausgeprägter. Da es in letzter Zeit relativ wenige bahnbrechende Arzneimittelentdeckungen gab, könnte die Unfähigkeit, Marktanteile durch Innovationen wieder aufzufüllen, den Umsatzrückgang verschärfen und die Pharmaunternehmen weiter unter Druck setzen. Zusammen schaffen diese Faktoren ein komplexes und unsicheres Umfeld für die Pharmaunternehmen in der nahen Zukunft.
Langfristig ist Innovation die wichtigste Säule für die Branche, um relevant zu bleiben. Bis heute gibt es noch Hunderte von Krankheiten, die nicht vollständig verhindert oder geheilt werden können, was bedeutet, dass es viel Raum für wissenschaftliche Forschung und Wachstumspotenzial gibt. M&A sind beispielsweise ein effizientes und gängiges Mittel in dieser Branche, um größere Synergien zu erzielen und Innovationen voranzutreiben. Daher ist davon auszugehen, dass diese Strategie in den kommenden Jahren verstärkt zum Einsatz kommen wird. Die Onkologie wird zweifellos weiterhin im Mittelpunkt der Forschung und Entwicklung stehen, da sie nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle für Pharmaunternehmen ist.
Derzeit befinden sich rund 16.000 verschiedene Krebsmedikamente in der Pipeline, von denen 43 % in der präklinischen Phase und 18 % in der Entdeckungsphase sind. An zweiter Stelle steht die Immunologie mit 5.775 Medikamenten in der Pipeline, während Diabetes mit 1.400 Medikamenten an dritter Stelle liegt.