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Deutschland: Begrenzung der Auswirkungen durch einen "kalten Entzug" vom russischen Gas

 

  • Sollten die Gaslieferungen aus Russland zum Erliegen kommen, schätzen wir die Versorgungslücke in Deutschland auf 30 % des gesamten Gasverbrauchs. Zusätzliche Speicherentnahmen, die Erschließung neuer Gaslieferanten, Substitutionsmaßnahmen wie die Umstellung auf andere Energieträger (von Gas auf andere Energieträger wie Kohle und Kernkraft) und die Selbstrationierung des Privatsektors aufgrund der extrem hohen Gaspreise werden dazu beitragen, die Versorgungslücke zu verringern und die wirtschaftlichen Störungen zu begrenzen. Die verbleibende Gasversorgungslücke von 13 % wird jedoch Rationierungsmaßnahmen erfordern.
  • Wie sich die Rationierung auf die Wirtschaftstätigkeit und die Beschäftigung in Deutschland auswirken wird, hängt weitgehend davon ab, welche Gasverbraucher die Hauptlast der Verknappung zu tragen haben werden. Der Gasverbrauch der Haushalte – der derzeit durch den deutschen Gasnotfallplan geschützt ist – bietet ein erhebliches Einsparungspotenzial. Für jeden Prozentpunkt, um den der Gasverbrauch der Haushalte sinkt, werden im verarbeitenden Gewerbe eine Bruttowertschöpfung von 2,5 Milliarden Euro und bis zu 25.000 Arbeitsplätze gesichert – positive Zweitrundeneffekte nicht eingerechnet. Um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, sollte die Last der Rationierung daher breit gestreut werden.

Das Risiko eines Rationierungsszenarios nimmt zu: In dieser Woche hat Deutschland angekündigt, dass es sich bis Mitte 2024 vom russischen Gas abkoppeln will. Die anhaltende Eskalation der Spannungen zwischen Russland und dem Westen – einschließlich der Forderung Russlands, in Rubel bezahlt zu werden – könnte jedoch schon weit vorher zu einem "Blackout"-Szenario führen. Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass sich die deutschen Behörden auf eine mögliche Rationierung von Energie vorbereiten.

Schätzung der Gasversorgungslücke: Im Jahr 2021 betrug der Anteil der Lieferungen aus Russland 55 % des gesamten Gasverbrauchs in Deutschland. Seit Oktober 2021 sind die Lieferungen aus Russland jedoch zurückgegangen, und der Anteil der Importe liegt derzeit unter 40 %. Sollten die Gaslieferungen aus Russland abrupt zum Erliegen kommen, dürfte die Versorgungslücke deutlich kleiner ausfallen (rund 30 % des gesamten Gasbedarfs, siehe auch Energieflüsse).