Das Bullen-Szenario stützt sich nach wie vor auf fünf Säulen. Erstens zeigen die Hyperscaler keine Anzeichen einer Abschwächung: Nach oben korrigierte Investitionsprognosen für das erste Quartal deuten auf eine weiterhin aggressive Haltung hin, die die Gewinne der asiatischen Chiphersteller bis 2026–2029 um bemerkenswerte +70 % CAGR steigern dürfte. Zweitens erscheint die Nachfragepipeline strukturell solide: Die anhaltende Verbreitung von KI, die Umstellung der Unternehmen auf agentbasierte Plattformen und die neue, speicherintensive Chipgeneration verstärken sich gegenseitig.
Drittens ist der Wettbewerbsvorteil real: Kapital und Fachwissen sind erforderlich, um eine moderne Foundry aufzubauen, den Wettbewerb in Schach zu halten und die Preissetzungsmacht zu bewahren. Viertens sind die Bewertungen auf Basis einer soliden Gewinnentwicklung überzeugend, und die jüngsten Kursrückgänge bieten neue Einstiegsmöglichkeiten bei unseren Top-Empfehlungen. Und fünftens sorgen Halbleiter im überkonzentrierten Schwellenländerbereich für eine Diversifizierung hinsichtlich der geografischen Lage und der Lieferkette – mit einem attraktiven Kompromiss im Vergleich zu den Industrieländern.
Starke Überzeugungen bedeuten jedoch nicht Selbstzufriedenheit: Vier Risiken könnten die Rallye in den nächsten 12 bis 24 Monaten ins Wanken bringen. Erstens könnte eine erneute Eskalation im Nahen Osten die Energieversorgung nach Asien stören und Produktionsstillstände erzwingen – ob vorübergehend oder nicht. Zweitens könnten Engpässe in der asiatischen Lieferkette für kritische Vorprodukte für Rechenzentren die Kosten in die Höhe treiben und die Lieferzeiten verlängern, was die Dynamik bei den KI-Investitionen dämpfen würde. Drittens droht ein zeitliches Missverhältnis: Neues Angebot könnte gerade dann auf den Markt kommen, wenn sich die Kapitalallokation verlangsamt, sollte sich in den USA oder Europa ein neuer Zinszyklus durchsetzen. Viertens verschärft sich der Wettbewerb rasch – Peking setzt massiv Mittel und Druck ein, um die Selbstversorgung mit Chips voranzutreiben (Ziel: 70 % bei KI-Chips bis 2026) und die globale Präsenz seiner Marktführer auszubauen. Entgegen dem, was die Marktvolatilität vermuten lässt, sehen wir niedrigere Inferenzkosten nicht als negativen Faktor für das Speicherchip-Geschäft an, sondern vielmehr als Garantie für einen nachhaltigen Auftragsbestand, sofern dies mit einer stärkeren Verbreitung und Nutzung von KI einhergeht.