Halbleiter: Konzentrationsrisiken in Schwellenländern

25. Juni 2026 – Zusammenfassung

Halbleiter sind das Rückgrat der KI-Rallye des Jahres 2026. Die Kapitalinvestitionen fließen überwiegend in die KI-Infrastruktur, und die Rechenzentren, die die Hauptlast tragen, laufen vollständig mit Chips. Die Zahlen sprechen für sich: Der Philadelphia-Halbleiterindex ist seit Jahresbeginn um +90 % gestiegen – das Zwölffache des +7,5 % des S&P 500 –, trotz einiger jüngster Abverkaufswellen im Juni. In den Schwellenländern, in denen sich der Großteil der Lieferkette konzentriert, verzeichnen Märkte wie Südkorea und Taiwan in diesem Jahr einen Anstieg von +110 % bzw. +60 %.

 

Verpassen Sie keine Tipps und News mehr mit unserem Newsletter!

Alles rund um das Thema Forderungsmanagement, dazu aktuelle Einblicke zu wirtschaftlichen Entwicklungen, Branchen und Ländern sowie exklusive Einladungen zu Webinaren und Umfragen. Kostenlos und monatlich!

Konzentration ist die Kehrseite des Booms, doch die Fundamentaldaten sind stark. Am ausgeprägtesten ist die Konzentration in den Schwellenländern, wo die Abhängigkeit von einer einzigen Branche mittlerweile extrem ist. Sollte der Chipsektor enttäuschen, könnte die Neubewertung brutal ausfallen. Doch die Gewinne sind real und zudem extrem unausgewogen: Chips machen 13 % der Gewinne des S&P 500 bei nur 5 % des Umsatzes aus, die Hälfte der Gewinne Südkoreas bei einem Fünftel seines Umsatzes und über 70 % sowohl der Gewinne als auch des Umsatzes Taiwans. Die enorme Nachfrage in Verbindung mit Lieferengpässen aufgrund der Spannungen im Nahen Osten hält die Preise auf einem extrem hohen Niveau.

Das Bullen-Szenario stützt sich nach wie vor auf fünf Säulen. Erstens zeigen die Hyperscaler keine Anzeichen einer Abschwächung: Nach oben korrigierte Investitionsprognosen für das erste Quartal deuten auf eine weiterhin aggressive Haltung hin, die die Gewinne der asiatischen Chiphersteller bis 2026–2029 um bemerkenswerte +70 % CAGR steigern dürfte. Zweitens erscheint die Nachfragepipeline strukturell solide: Die anhaltende Verbreitung von KI, die Umstellung der Unternehmen auf agentbasierte Plattformen und die neue, speicherintensive Chipgeneration verstärken sich gegenseitig. 

Drittens ist der Wettbewerbsvorteil real: Kapital und Fachwissen sind erforderlich, um eine moderne Foundry aufzubauen, den Wettbewerb in Schach zu halten und die Preissetzungsmacht zu bewahren. Viertens sind die Bewertungen auf Basis einer soliden Gewinnentwicklung überzeugend, und die jüngsten Kursrückgänge bieten neue Einstiegsmöglichkeiten bei unseren Top-Empfehlungen. Und fünftens sorgen Halbleiter im überkonzentrierten Schwellenländerbereich für eine Diversifizierung hinsichtlich der geografischen Lage und der Lieferkette – mit einem attraktiven Kompromiss im Vergleich zu den Industrieländern.

Starke Überzeugungen bedeuten jedoch nicht Selbstzufriedenheit: Vier Risiken könnten die Rallye in den nächsten 12 bis 24 Monaten ins Wanken bringen. Erstens könnte eine erneute Eskalation im Nahen Osten die Energieversorgung nach Asien stören und Produktionsstillstände erzwingen – ob vorübergehend oder nicht. Zweitens könnten Engpässe in der asiatischen Lieferkette für kritische Vorprodukte für Rechenzentren die Kosten in die Höhe treiben und die Lieferzeiten verlängern, was die Dynamik bei den KI-Investitionen dämpfen würde. Drittens droht ein zeitliches Missverhältnis: Neues Angebot könnte gerade dann auf den Markt kommen, wenn sich die Kapitalallokation verlangsamt, sollte sich in den USA oder Europa ein neuer Zinszyklus durchsetzen. Viertens verschärft sich der Wettbewerb rasch – Peking setzt massiv Mittel und Druck ein, um die Selbstversorgung mit Chips voranzutreiben (Ziel: 70 % bei KI-Chips bis 2026) und die globale Präsenz seiner Marktführer auszubauen. Entgegen dem, was die Marktvolatilität vermuten lässt, sehen wir niedrigere Inferenzkosten nicht als negativen Faktor für das Speicherchip-Geschäft an, sondern vielmehr als Garantie für einen nachhaltigen Auftragsbestand, sofern dies mit einer stärkeren Verbreitung und Nutzung von KI einhergeht.

Ludovic Subran
Allianz Investment Management SE

Guillaume Dejean

Allianz Trade

Alexander Hirt

Allianz Investment Management

Ano Kuhanathan
Allianz Trade

Machen Sie es wie über 55.000 andere Entscheider in Unternehmen und abonnieren Sie unseren Newsletter. Sie erwarten kostenlos und monatlich:

  • Tipps für Ihr Forderungsmanagement
  • Aktuelle Einblicke zu wirtschaftlichen Entwicklungen, Branchen und Ländern
  • Exklusive Einladungen zu Webinaren
newsletter vorschau laptop desktop und mobile