Verzweifeltes Bemühen um eine angemessene politische Reaktion: Wenn unser Basisszenario Bestand haben soll, müssen die politischen Entscheidungsträger ihre Krisenreaktion rasch verbessern, um das Vertrauen des Privatsektors zu stärken, eine "Triple-Dip"-Rezession abzuwenden und dauerhafte Schäden an der Wirtschaft zu verhindern. Dies würde voraussetzen, dass die nationalen Regierungen ihre Strategien zur Ermittlung von Kontaktpersonen intensivieren und gleichzeitig fiskalische Nothilfen (Kurzarbeitsprogramme und öffentliche Kreditgarantien) ausweiten. Was die Geldpolitik anbelangt, so wird die EZB auf der bevorstehenden Dezembertagung ihre geldpolitische Reaktion neu ausrichten müssen, indem sie ihre QE-Programme für 2021 um 500 Mrd. EUR aufstockt, um die Refinanzierungskosten für Regierungen und den privaten Sektor unter Kontrolle zu halten und eine ausreichende Liquiditätsversorgung sicherzustellen.
Was bedeutet dies für die Unternehmen? Eine prompte und richtig dimensionierte politische Reaktion sollte eine Cash-Flow-Krise von Unternehmen im großen Stil vermeiden. Der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die eine negative EBITDA-Marge aufweisen, d.h. diejenigen, die am stärksten von einer Cash-Flow-Krise bedroht sind, wird in den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone auf 15-20% geschätzt. Darüber hinaus liegt der Anteil der Zombie-KMU, d.h. der KMU mit hoher Verschuldung, geringer Rentabilität und niedrigen Eigenkapitalquoten, zwischen 8-10%. Aus diesem Grund könnten sich die Double-Dip-Vertrauenseffekte als gefährlicher erweisen, da sie die Unternehmen davon abhalten könnten, das Cashflow-Problem mit zusätzlichen Schulden zu decken, und dies in einem Umfeld, in dem das Umsatzwachstum in den am stärksten betroffenen Sektoren nicht vor 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreichen dürfte.
Was bedeutet dies für die Kapitalmärkte? Die Renditekurve wird steiler, Aktien werden überbewertet (was wenig Puffer gegen negative Ergebnisse bietet), und Sorgen um (hochverzinsliche) Unternehmensanleihen. Man darf ein bescheidenes Ansteigen der Renditekurven für Staatsanleihen erwarten, und zwar eher in den USA als in der EU, entsprechend dem raschen Anstieg der öffentlichen Defizit- und Schuldenquoten. Auf der Aktienseite haben die Überbewertungen in den USA und den Schwellenländern im Vergleich zu Europa zugenommen und bieten wenig Schutz vor negativen Ergebnissen. In den USA stellen sie auch ein Abwärtsrisiko für den USD-Wechselkurs dar. Schließlich haben unsere Bedenken hinsichtlich der Unternehmensanleihensegmente zugenommen, insbesondere für das Hochzinssegment, da es nicht zur klassischen Aufgabenbeschreibung einer Zentralbank gehört, insolventen Unternehmen Kredite zu gewähren.
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