Wirtschaftliche Risiken eines „Super-El-Niño“

15. Juli 2026 – Zusammenfassung

Der sich abzeichnende El Niño 2026-27 könnte sich zum stärksten Klimaereignis seit mehr als einem Jahrzehnt entwickeln. Während Wetterereignisse oft als operative Risiken betrachtet werden, ist dieses Ereignis eher als makroökonomisches Phänomen zu verstehen, das Auswirkungen auf die Inflation, Handelsströme, Lieferketten und Unternehmensgewinne hat. Der IWF schätzt, dass ein typischer El Niño die weltweiten Lebensmittelpreise innerhalb eines Jahres um rund 5 % in die Höhe treibt, und die Ereignisse von 1982-83 sowie 1997-98 führten in den folgenden fünf Jahren zu kumulierten globalen Einkommensverlusten in Höhe von 4,1 Billionen USD bzw. 5,7 Billionen USD.

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El Niño verursacht einen ungleichmäßigen Rohstoffschock, wobei sich die größten Störungen auf in Asien produzierte Rohstoffe konzentrieren, während es bei Getreide in Lateinamerika – vor allem in Brasilien und Argentinien – aufgrund verbesserter Anbaubedingungen zu einem Überangebot kommen könnte. Südostasien, Indien und Teile Westafrikas sind einem erhöhten Risiko von Dürren und Störungen in der Landwirtschaft ausgesetzt. Gleichzeitig dürften große Teile Südamerikas von verbesserten Anbaubedingungen profitieren, was die Getreide- und Ölsaatenproduktion stützen wird. Das Ergebnis ist eine Divergenz zwischen Rohstoffmärkten, Ländern und Sektoren statt eines breit angelegten Inflationsschubs. Die höchsten Risiken bestehen bei Zucker, Palmöl und Reis, wo Dürre, niedrige Lagerbestände und mögliche Exportbeschränkungen zu Preisvolatilität führen könnten. Auch Kakao und Robusta-Kaffee stehen unter Versorgungsdruck, während Sojabohnen, Mais und Arabica-Kaffee aufgrund günstiger Bedingungen wahrscheinlich mit Preisrückgängen konfrontiert sein werden.

Für Unternehmen reichen die Auswirkungen weit über die Landwirtschaft hinaus. Lebensmittelhersteller könnten erneut unter dem Druck steigender Inputkosten für Zucker, Palmöl, Reis und Kakao stehen, könnten die höheren Preise jedoch weitergeben. Konsumgüterunternehmen, die in Schwellenländern tätig sind, könnten bei Verbrauchern mit geringerem Einkommen eine erneute Inflationssensibilität feststellen. Für Unternehmen, die am Handel mit Agrarprodukten beteiligt sind, bei denen es zu einem Angebotsanstieg kommen wird – insbesondere in Lateinamerika –, ist eine höhere Produktion nicht unbedingt eine positive Nachricht, da die Verkaufspreise sinken, die Lagerkapazitäten überlaufen könnten und die Nachfrage unelastisch ist (d. h., niedrigere Preise führen nicht zu höheren Absatzmengen). Regierungen in Lebensmittel importierenden Volkswirtschaften könnten mit Exportbeschränkungen, Preiskontrollen oder strategischen Bevorratungsmaßnahmen reagieren, die die Störungen in der Lieferkette verstärken.

Ein „Super-El-Niño“ würde den Inflationsdruck in Asien vor allem über die Lebensmittelpreise weitergeben, wobei Indonesien am stärksten betroffen wäre (+2,3 Prozentpunkte) und Malaysia sowie die Philippinen am wenigsten (+0,7 Prozentpunkte). In Lateinamerika ist das Bild gemischt, wobei Kolumbien, Peru und Brasilien potenziellen Druck ausgesetzt wären. Die Zentralbanken auf den Philippinen, in Indonesien und Indien könnten gezwungen sein, die Zinsen weiter anzuheben oder die Lockerung bis ins Jahr 2027 zu verschieben, während Malaysia und Thailand ihre Zinspolitik unverändert beibehalten würden. Exportverbote großer Agrarproduzenten (Indien, Thailand, Vietnam) würden den inländischen Druck mindern, aber die Inflationsrisiken für Importeure, insbesondere die Philippinen und Indonesien, verstärken. In Lateinamerika könnten Dürrebedingungen im Norden Brasiliens und in Kolumbien die Inflation in die Höhe treiben, während Peru mit Störungen durch den Küsten-El-Niño konfrontiert sein könnte.

„Super-El-Niño“-Ereignisse spielen für die Finanzmärkte im Allgemeinen keine große Rolle. Der S&P 500 verzeichnete bei jedem solchen Ereignis eine starke Rallye, die eher durch das jeweilige makroökonomische Umfeld als durch das Wetterereignis selbst getrieben war. Bei den Schwellenländern zeigen Lebensmittel importierende Volkswirtschaften wie die Philippinen und Indonesien die Tendenz, in den 12 bis 18 Monaten nach einem ONI-Höchststand hinter den globalen Benchmarks zurückzubleiben (mit Ausnahme der Jahre 2015–2016). Allerdings fand jedes Ereignis vor einem völlig anderen makroökonomischen Hintergrund statt (z. B. Asienkrise, Konjunkturabkühlung in China, Inflation nach der Corona-Pandemie), sodass das Signal zu schwach und zu verzerrt ist, um allein dem El Niño zugeschrieben zu werden.

Ludovic Subran
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Hazem Krichene  
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Lina Manthey

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Ano Kuhanathan
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